Beziehungs-Load

von Markus Bodenmüller

Es gibt Arbeit, die man sieht.

Einkaufen.
Kochen.
Planen.
Organisieren.
Entscheiden.

Und es gibt eine andere Arbeit,
die oft keinen Namen hat.

Zu merken,
wann jemand übergangen wird.

Zu spüren,
dass eine Entscheidung nicht nur praktisch ist,
sondern auch bei jemandem landet.

Zu halten,
dass nicht nur etwas erledigt wird,
sondern jemand darin vorkommt.

Ich nenne diese unsichtbare Arbeit im gemeinsamen Raum:

Beziehungs-Load.

Mental Load fragt:
Wer denkt an die Dinge,
die getan werden müssen?

Beziehungs-Load fragt:
Wer denkt daran,
was diese Dinge mit Menschen machen?

Dabei geht es nicht darum,
dass einer alles spüren,
alles vorhersehen
oder alles tragen muss.

Im Gegenteil.

Beziehungs-Load wird dort schwer,
wo er heimlich bleibt.

Wo einer ständig mitfühlt,
mitdenkt,
mitübersetzt,
mitpuffert —
und niemand merkt,
dass da überhaupt Arbeit geschieht.

Aber auch das gehört zur Wahrheit:

Wer den Raum allein hält,
kann beginnen,
ihn zu kontrollieren.

Dann wird aus Wahrnehmung Schutz.
Aus Schutz wird Strenge.
Und aus Fürsorge manchmal eine stille Prüfung.

Deshalb geht es nicht darum,
den Beziehungs-Load einem Menschen aufzubürden.

Es geht darum,
ihn sichtbar zu machen.

Damit aus heimlicher Arbeit
gemeinsame Verantwortung werden kann.

Nicht sofort leicht.
Nicht immer gleich verteilt.

Aber sichtbarer.

Denn Beziehung lebt nicht nur davon,
dass Aufgaben erledigt werden.

Sie lebt auch davon,
dass Menschen im Tun
nicht verschwinden.


Diese Randnotiz gehört zu einem größeren Buchprojekt,
das gerade entsteht:

über Mitgemeintsein,
Beziehungs-Load
und die Frage,
warum Beziehung nicht nur daran hängt,
was wir tun —

sondern wer darin vorkommt.

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