Das unsichtbare Also
von Markus Bodenmüller
Manche Sätze sind nicht falsch.
Und trotzdem ziehen wir aus ihnen manchmal einen Schluss, der gar nicht aus ihnen folgt.
Zum Beispiel:
„Brandstiftung ist kein Klimawandel.“
Stimmt.
Nur kann im Kopf daraus schnell werden:
Also hat der Klimawandel mit dem Brand nichts zu tun.
Dieses Also wurde gar nicht gesagt.
Und trotzdem ist es plötzlich da.
Dasselbe passiert auch anderswo:
„Er hat doch einen guten Job.“
Also kann es ihm dort nicht schlecht gehen.
„Sie hat selbst gekündigt.“
Also können die Arbeitsbedingungen nicht das Problem gewesen sein.
„Die beiden lieben sich.“
Also kann ihre Beziehung nicht schwierig sein.
Der erste Satz kann jedes Mal stimmen.
Nur folgt der zweite nicht automatisch daraus.
Vielleicht lohnt es sich deshalb manchmal, beim Zuhören nach dem unsichtbaren Also zu suchen:
Was wurde tatsächlich gesagt – und welchen Schluss ziehe ich gerade daraus?
Nicht jede Verkürzung führt in die Irre.
Aber manche beendet eine Frage, die noch gar nicht beantwortet wurde.