„Der andere ist halt so.“
von Markus Bodenmüller
Der Satz kann entlasten.
Ich muss mich nicht mehr wundern.
Nicht mehr nach Erklärungen suchen.
Vielleicht muss ich auch nicht mehr darauf warten, dass es irgendwann anders wird.
Vielleicht habe ich dieses Verhalten schließlich schon oft erlebt.
Und trotzdem geschieht mit dem Satz etwas:
Aus einem Verhalten wird eine Aussage über den Menschen.
Nicht mehr:
Er reagiert in solchen Situationen oft so.
Sondern:
So ist er.
Damit lege ich etwas über den anderen fest, das ich letztlich nicht wissen kann.
Vielleicht ist er so.
Vielleicht zeigt er sich mir gegenüber häufig so.
Vielleicht verhält er sich seit Jahren so.
Das alles darf ich ernst nehmen.
Würdeorientierung verlangt nicht, dass ich mir den anderen schöner denke, als ich ihn erlebe.
Aber sie lässt einen kleinen Raum offen:
Ich kann dich nicht wissen.
Ich kann sehen, was du tust.
Ich kann wahrnehmen, was das mit mir macht.
Ich kann ernst nehmen, was mir daran wichtig ist.
Ich kann entscheiden, was für mich stimmig ist.
Und ich kann Konsequenzen ziehen.
Dafür muss ich nicht wissen,
wie du „wirklich bist“.
Vielleicht liegt genau darin ein Unterschied:
Ich muss den anderen nicht festlegen,
um selbst einen Stand zu finden.
WoG · Würdeorientierte Gesprächsführung