Der Arschtritt vor dem ersten Schritt
von Markus Bodenmüller
Vielleicht ist der Arschtritt manchmal nicht der erste Schritt.
Vielleicht ist er der Schritt, den wir noch vor den ersten Schritt geschoben haben.
„Ich muss mir mal einen Arschtritt verpassen.“
Wir kennen diesen Satz.
Eigentlich wissen wir schon, was ansteht.
Rausgehen. Anfangen. Den Anruf machen.
Uns an etwas setzen, das schon eine Weile wartet.
Aber vorher, so scheint es, muss noch etwas anderes passieren:
Ich muss mich erst dazu bringen.
Und damit sind plötzlich zwei Schritte entstanden.
Nicht mehr:
Ich stehe auf und gehe.
Sondern:
Ich muss mich erst motivieren, überwinden, antreiben –
und dann kann ich gehen.
Manchmal hilft genau das.
Ein kleiner Impuls, ein Countdown, Schuhe anziehen, einmal aufstehen.
Eine Brücke vom Nichttun ins Tun.
Aber manchmal wird auch die Brücke selbst zum Aufenthaltsort.
Ich müsste anfangen.
Ich müsste mich nur endlich aufraffen.
Ich müsste erst in die richtige Stimmung kommen.
So wird aus dem Handeln etwas, für das vorher noch eine Bedingung erfüllt werden muss.
Erst Motivation.
Dann Bewegung.
Dabei muss der Widerstand vielleicht gar nicht verschwinden.
Ich kann aufstehen, obwohl ich noch keine Lust habe.
Ich kann anfangen, obwohl ich mich noch nicht bereit fühle.
Vielleicht brauche ich manchmal tatsächlich einen Arschtritt.
Und vielleicht brauche ich manchmal nur die Erlaubnis, den Schritt zu tun,
bevor ich mich dazu gebracht habe.