Der Krug im Flur
von Markus Bodenmüller
In einem Haus stand ein Krug im Flur.
Er war nicht besonders schön.
Aber er war da.
Wer hereinkam,
legte hinein,
was er gerade trug:
ein Ärger,
eine Sorge,
ein Satz,
der keinen Platz gefunden hatte.
Niemand fragte,
ob der Krug leer sei.
Oder ob er getragen werden wolle.
Der Krug stand einfach da.
Eines Tages blieb er nicht stehen.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Müdigkeit.
Sondern weil er begriff,
dass Stehenbleiben
auch eine Entscheidung ist.
Manche suchten ihn.
Andere redeten weiter,
als wäre er noch da.
Und irgendwo,
ein paar Schritte entfernt,
stand ein leerer Platz im Flur.
Still.
Unbenutzt.
Und endlich leicht.
Nicht jeder, der still im Raum steht,
ist dafür da, etwas zu tragen.