Wenn Mitgefühl zu viel wird
von Markus Bodenmüller
Auf Lesbos werden wegen der Maul- und Klauenseuche Tiere getötet.
Gleichzeitig wird über Käseproduktion, Verkauf und wirtschaftliche Schäden gesprochen.
Und jemand kommentiert:
Jetzt können sie den Käse nicht verkaufen.
Dass so ein Satz zuerst beim Käse landet,
nicht bei den Tieren,
ist vielleicht mehr als nur Gedankenlosigkeit.
Es zeigt,
worauf sich Mitgefühl manchmal tatsächlich richtet.
Nicht auf das,
was am meisten leidet.
Sondern auf das,
was näher wirkt.
Greifbarer.
Alltagstauglicher.
Leichter auszuhalten.
Über wirtschaftlichen Schaden zu sprechen,
ist oft einfacher,
als das Leid wirklich an sich heranzulassen.
Denn wer die Tiere mitfühlt,
spürt schnell mehr als nur Mitgefühl:
Schmerz.
Ohnmacht.
Abscheu.
Trauer.
Und genau dort steigen viele innerlich aus.
Dann bleibt man lieber
beim Käse,
beim Markt,
beim Verkauf,
bei dem,
was man noch halbwegs geordnet besprechen kann.
Das ist nicht unbedingt Bosheit.
Aber es ist auch nicht das,
was viele meinen,
wenn sie von Empathie sprechen.
Empathie zeigt sich nicht nur darin,
dass man betroffen ist.
Sondern auch darin,
wohin die eigene Betroffenheit geht.
Manche fühlen zuerst mit dem Verlust.
Andere mit dem Lebewesen.
Das ist nicht dasselbe.