Erst lernen, Erde zu sein.
von Markus Bodenmüller
Der Mensch stand auf der Erde.
Unter ihm:
Boden.
Über ihm:
Himmel.
Neben ihm:
Bäume.
Flüsse.
Tiere.
Kinder.
Regen.
Brot.
Atem.
Alles war da.
Nicht vollkommen.
Aber lebendig.
Der Mensch sah sich um und sagte:
Schwierig.
Zu viele Wälder.
Zu viel Verantwortung.
Zu viel Rücksicht.
Zu viele andere Menschen.
Zu viele Grenzen.
Zu viel Leben,
das nicht gehorcht.
Dann hob er den Blick zum Mars.
Ein roter, kalter Stein.
Ohne Wald.
Ohne Meer.
Ohne Vogel.
Ohne Atem.
Man müsste Luft mitbringen.
Wasser suchen.
Wärme erzeugen.
Nahrung bauen.
Strahlung abwehren.
Staub überleben.
Einsamkeit verwalten.
Der Mensch nickte.
Endlich etwas,
das sich planen lässt.
Die Erde schwieg.
Nicht aus Schwäche.
Sie hielt ihn noch immer.
Mit Boden.
Mit Schwerkraft.
Mit Brot.
Mit Atem.
Der Mensch brach Erz aus ihrem Leib.
Er formte Metall.
Er zähmte Feuer.
Er baute eine Rakete aus Erde,
um der Erde zu entkommen.
Nicht, weil er gelernt hatte,
einen Garten zu hüten.
Sondern weil Flucht manchmal
wie Fortschritt aussieht,
wenn sie nur glänzend genug ist.
Und irgendwo
zwischen Kontrollzentrum,
Investorengespräch
und Sternenhimmel
fragte eine leise Stimme:
Was sucht ihr dort oben?
Der Mensch antwortete:
Eine Zukunft.
Und die Stimme fragte:
Was war das hier?