„Es lässt mich grübeln.“ –
Ist das schon Erleben?
von Markus Bodenmüller
„Was macht das mit dir?“
„Es lässt mich grübeln.“
Kann man darauf so antworten?
Ich finde: ja.
Grübeln bezeichnet zunächst kein Gefühl, sondern einen inneren Vorgang.
Ich denke immer wieder darüber nach.
Ich komme nicht davon los.
Etwas beschäftigt mich weiter.
Man könnte deshalb noch ein Stück näher fragen:
„Und wie ist das für dich, wenn du so grübelst?“
Vielleicht kommt dann:
„Es macht mich unruhig.“
„Ich werde unsicher.“
„Ich finde keinen Abschluss.“
Aber die erste Antwort war deshalb nicht falsch.
Die Frage ist weiter als eine Gefühlsfrage
In der Würdeorientierten Gesprächsführung lautet die erste Frage nicht:
„Was fühlst du?“
Sondern:
„Was macht das mit dir?“
Das ist absichtlich weiter.
Denn Erleben muss nicht sofort sauber benannt oder eingeordnet sein.
Manchmal zeigt es sich als Unruhe oder Druck.
Manchmal körperlich.
Manchmal in einem Impuls, sich zurückzuziehen.
Und manchmal zunächst darin, dass etwas einen nicht loslässt.
Nicht jede Antwort muss schon am Ziel sein.
Manche zeigt erst, wo der Kontakt beginnt.
Deshalb muss ich „Es lässt mich grübeln“ nicht korrigieren.
Ich kann dort anfangen.
Und wenn es hilfreich ist, gemeinsam noch ein Stück näher hingehen.
Nicht, weil die erste Antwort falsch war.
Sondern weil sich darin vielleicht noch etwas genauer zeigen kann.