Ich fühle mich nicht wertgeschätzt

von Markus Bodenmüller

„Ich fühle mich nicht wertgeschätzt.“

Der Satz klingt zunächst wie eine Beschreibung meines Erlebens.
Und doch steckt darin bereits mehr.
Denn „nicht wertgeschätzt“ beschreibt nicht nur, was in mir geschieht.

Es enthält auch eine Deutung darüber, wie ich das Geschehen zwischen uns verstehe:
Du wertschätzt mich nicht.
Vielleicht trifft diese Deutung etwas.
Vielleicht auch nicht.

Mein unmittelbares Erleben könnte zunächst viel schlichter sein:
Ich bin enttäuscht.
Ich merke Ärger.
Etwas zieht sich in mir zusammen.
Ich werde unruhig.
Ich fühle mich allein gelassen.

Erst danach kann ich fragen:
Was ist mir daran wichtig?

Vielleicht ist es tatsächlich Wertschätzung.
Vielleicht Verlässlichkeit.
Vielleicht Mitdenken.
Vielleicht möchte ich einfach nicht selbstverständlich diejenige sein, die alles übernimmt.

Das heißt nicht, dass der Satz „Ich fühle mich nicht wertgeschätzt“ falsch ist.
Aber manchmal lohnt es sich,
ihn noch einmal vorsichtig auseinanderzunehmen.

Denn zwischen dem, was ich erlebe,
und dem, 
wie ich es deute,
liegt manchmal nur ein einziges Wort.


WoG · Würdeorientierte Gesprächsführung

Nach oben scrollen