Nicht gegen Spiritualität. Für sie.

von Markus Bodenmüller

Manche mögen sich wundern,
dass ich mit Spiritualität manchmal hart ins Gericht gehe.

Doch ich tue das nicht gegen sie.
Ich tue es für sie.

Und auch für mich.

Weil ich ein spirituelles Wesen bin.

Nicht trotz meiner Kritik.
Sondern gerade deshalb.

Denn was mir nichts bedeutet,
muss ich nicht klären.
Was mir gleichgültig ist,
darf im Nebel bleiben.

Aber Spiritualität ist mir nicht gleichgültig.

Sie ist für mich kein Schmuck.
Kein weiches Licht über ungelösten Dingen.
Kein schöner Begriff, unter dem man alles verstaut, was man nicht anschauen möchte.

Spiritualität ist für mich etwas Heiliges.

Und gerade deshalb werde ich vorsichtig,
wenn sie zu schnell erklärt.
Zu schnell tröstet.
Zu schnell erhöht.

Wenn aus Schmerz sofort ein Seelenplan wird.
Aus Grenzen Unreife.
Aus Verantwortung Energie.
Aus Vermeidung Intuition.

Dann werde ich nicht klar, weil ich Spiritualität ablehne.

Ich werde klar,
weil ich sie ernst nehme.

Ich glaube nicht,
dass Spiritualität schwächer wird, wenn man sie prüft.

Ich glaube, sie wird schwächer,
wenn man alles durchgehen lässt.

Wenn jedes Gefühl Wahrheit sein darf.
Jede Behauptung Tiefe.
Jede Flucht ein höherer Weg.

Für mich beginnt echte Spiritualität nicht dort,
wo wir das Menschliche verlassen.

Sondern dort,
wo wir endlich ganz hineingehen.

In den Körper.
In die Verantwortung.
In die Wahrnehmung.
In die Wahrheit des Moments.

Nicht, um alles hart zu machen.

Sondern um es echt zu machen.

Denn das Weiche ohne Klarheit wird schnell klebrig.
Und das Licht ohne Unterscheidung wird schnell Blendung.

Vielleicht kritisiere ich Spiritualität also nicht,
weil ich zu wenig an sie glaube.

Vielleicht kritisiere ich sie,
weil ich zu sehr an sie glaube,
um sie dem Nebel zu überlassen.

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