Schrödingers Buchstaben

Manche Sätze sind so geschrieben,
dass man sie verstehen kann –
und gleichzeitig nicht festlegen muss, was sie bedeuten.
Sie klingen nach Nähe, ohne Nähe zu wählen.
Nach Bedeutung, ohne Verantwortung zu übernehmen.

Wer zwischen den Zeilen liest,
weiß, was gemeint sein könnte.
Und weiß es zugleich nicht sicher.
Gerade diese Unschärfe schützt:
Man kann sich berühren lassen,
ohne sich festzulegen.
Man kann sich zurückziehen
und trotzdem behaupten,
es sei doch alles da gewesen.

Ich nenne das
Schrödingers Buchstaben:
gemeint und nicht gemeint zugleich.
Eine elegante Form von Unverbindlichkeit –
die sich wie Tiefe anfühlen kann,
aber niemandem wirklich gehört.

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