Und dann antwortet der andere
Wie WoG im Gespräch weitergeht
von Markus Bodenmüller
„Jemand, der dir wichtig ist, sagt ein Treffen zum dritten Mal kurzfristig ab.“
Deine erste Reaktion könnte sein:
„Na toll. Dann lass es halt.“
WoG würde vorher kurz hinschauen:
Was macht das mit dir?
„Ich bin enttäuscht und merke, dass ich mich zurückziehe.“
Was ist dir daran wichtig?
„Mir ist wichtig, dass Verabredungen auch etwas zählen.“
Was wäre für dich stimmig?
„Ich möchte nicht so tun, als wäre es mir egal.“
Was könnte ein nächster Schritt sein?
„Ich spreche es an.“
Bis hierhin habe ich etwas für mich geklärt.
Dann spreche ich.
Vielleicht sage ich:
„Ich merke, dass mich die dritte Absage gerade wirklich enttäuscht.“
Der andere antwortet:
„Ich kann doch nichts dafür. Bei mir ist gerade einfach unglaublich viel los.“
Und jetzt wird es interessant.
Denn ein Gespräch besteht nicht darin, dass ich vorher herausfinde, was ich sagen möchte, und diesen Satz anschließend möglichst gut beim anderen unterbringe.
Der andere antwortet.
Und mit seiner Antwort verändert sich die Situation.
Ich könnte sofort sagen:
„Ja, aber immer ist bei dir was!“
Ich könnte auch einfach weiter das abspulen, was ich mir vorher zurechtgelegt habe.
Oder ich höre erst einmal wieder hin.
Was höre ich gerade von ihm?
Was macht das jetzt mit mir?
Vielleicht antworte ich:
„Ich verstehe, dass bei dir gerade wirklich viel los ist. Gleichzeitig merke ich, dass bei mir etwas passiert, wenn unsere Treffen immer wieder kurzfristig ausfallen. Ich fange an, mich darauf nicht mehr richtig zu verlassen.“
Dann sagt der andere wieder etwas.
Vielleicht erklärt er mehr.
Vielleicht wird er ärgerlich.
Vielleicht sagt er:
„Ich wusste gar nicht, dass dich das so trifft.“
Vielleicht merke ich selbst plötzlich, dass es mir gar nicht nur um Verlässlichkeit geht.
Sondern um die Frage, ob ich dem anderen überhaupt wichtig bin.
Und von dort geht es weiter.
Ein Gespräch lässt sich nicht zu Ende vorbereiten
WoG kann mir helfen, meine eigene Position wahrzunehmen:
Was passiert bei mir?
Was ist mir wichtig?
Wie möchte ich damit umgehen?
Aber diese Klärung ist noch nicht das Gespräch.
Sie kann mir helfen, nicht einfach aus Ärger, Rückzug oder einem alten Reflex heraus zu reagieren.
Doch sobald der andere antwortet, entsteht etwas Neues.
Vielleicht höre ich etwas, das ich vorher nicht wusste.
Vielleicht verändert sich mein Erleben.
Vielleicht wird deutlicher, worum es mir eigentlich geht.
Vielleicht bleibt meine Haltung genau dieselbe.
Auch das ist möglich.
Entscheidend ist nicht, dass ich meine vorbereitete Position möglichst konsequent durchziehe.
Sondern dass ich mit mir in Kontakt bleibe und gleichzeitig offen dafür, was im Gespräch tatsächlich geschieht.
Ich komme mit einer Haltung hinein.
Aber ich weiß noch nicht, wo wir gemeinsam herauskommen.
WoG · Würdeorientierte Gesprächsführung