Warum Ruhe sich manchmal nicht sicher anfühlt

von Markus Bodenmüller

Eigentlich wäre Zeit.
Nichts Dringendes steht an.

Man könnte sich hinsetzen. Nichts tun. Vielleicht sogar ein wenig ausruhen.
Und trotzdem geschieht etwas Merkwürdiges.

Man greift zum Handy. Räumt noch schnell etwas auf.
Denkt an die nächste Aufgabe. Wird unruhig.

Dann entsteht schnell die Vermutung:

Ich kann einfach nicht abschalten.

Vielleicht.

Aber manchmal liegt darunter etwas anderes.

Wenn Anspannung vertrauter ist als Ruhe

Ruhe fühlt sich nicht für jeden Menschen automatisch angenehm an.

Sie kann ungewohnt sein.
Manchmal sogar unsicher.

Im Hintergrund können innere Regeln wirken wie:

Ich darf erst ruhen, wenn alles erledigt ist.

Nur: Alles ist selten erledigt.

Oder:

Wenn ich mich entspanne, werde ich unvorsichtig.

Wachsamkeit fühlt sich dann sicherer an als Loslassen.

Vielleicht lautet die Regel:

Wenn ich nichts tue, bin ich nicht wertvoll.

Dann ist Ruhe nicht einfach Pause. Sie berührt den eigenen Wert.

Oder:

Ich muss jederzeit bereit sein.

Für die nächste Aufgabe. Die nächste Nachricht.
Den nächsten Menschen, der etwas braucht.

Dann kann selbst ein freier Nachmittag innerlich unter Bereitschaft stehen.

Manchmal wird in der Ruhe auch etwas hörbar, das im Funktionieren kaum Platz bekommt.

Müdigkeit.
Traurigkeit.
Leere.
Ein Wunsch.

Oder die Frage:

Will ich eigentlich so weitermachen?

Dann kann Aktivität nicht nur Gewohnheit sein.

Sie kann auch schützen.

Nicht jede Unruhe braucht eine bessere Entspannungsmethode

Natürlich können Atemübungen, Bewegung, Meditation oder andere Formen der Regulation hilfreich sein.

Doch manchmal löst eine weitere Methode das eigentliche Problem nicht.

Denn wenn Ruhe innerlich mit Gefahr, Wertlosigkeit oder Kontrollverlust verbunden ist, kann selbst Entspannung zu einer neuen Aufgabe werden:

Jetzt muss ich mich endlich richtig entspannen.

Dann wird auch Ruhe wieder Leistung.

Interessanter kann zunächst eine andere Frage sein:

Was würde es für mich bedeuten, wenn ich jetzt wirklich nichts tun müsste?

Vielleicht kommt keine Antwort.

Vielleicht nur eine leichte Enge.

Oder ein Satz:

Dann könnte ich etwas übersehen.

Dann wäre ich faul.

Dann würde niemand mehr etwas von mir brauchen.

Dann müsste ich spüren, wie erschöpft ich eigentlich bin.

Ein solcher Satz muss nicht sofort verändert werden.

Manchmal reicht zunächst das Erkennen:

Ach. Deshalb ist Ruhe vielleicht gar nicht so einfach.

Die Landkarte innerer Regeln hilft dabei, solche verborgenen inneren Logiken sprachlich einzugrenzen.

Nicht um festzustellen, was mit einem Menschen „nicht stimmt“.

Sondern um genauer zu verstehen, weshalb etwas, das von außen einfach aussieht, innerlich ganz anders erlebt werden kann.

Mehr erfahren: Landkarte innerer Regeln

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