Wenn Analyse nicht mehr klärt

von Markus Bodenmüller

Manchmal verwechseln wir Analyse mit Klärung.

Analyse untersucht.
Klärung ordnet.

Analyse fragt:
Woraus besteht das?
Wie hängt es zusammen?
Woher kommt es?
Welche Schichten liegen darunter?

Klärung fragt:
Was ist jetzt wesentlich?
Was gehört hierher?
Was gehört nicht hierher?
Und was braucht als Nächstes eine Entscheidung?

Wenn eine Lampe nicht mehr brennt, kann ich sie natürlich auseinandernehmen.

Ich kann die Fassung betrachten, das Kabel prüfen, den Schalter untersuchen, über Stromkreise nachdenken und mir die Geschichte des elektrischen Lichts vergegenwärtigen.

Das kann interessant sein.

Vielleicht sogar klug.

Aber vielleicht stehe ich danach immer noch im Dunkeln.

Klärung wäre dann nicht:
Ich verstehe diese Lampe jetzt tiefer.

Sondern:
Brauche ich eine neue Birne?
Einen Elektriker?
Oder gerade einfach eine andere Lichtquelle?

Analyse kann wichtig sein.
Sie kann sichtbar machen, was vorher verborgen war.

Aber manchmal bleiben wir in ihr hängen, weil sie sich gründlicher anfühlt als eine einfache Klärung.

Dann zerlegen wir weiter, obwohl längst eine andere Frage wartet:

Was ist hier eigentlich zu entscheiden?

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