Wie lernt man,
selbst ins Handeln zu kommen?
von Markus Bodenmüller
Manche Menschen sind Macher.
Sie sehen, was getan werden muss, und tun es.
Sie organisieren.
Regeln.
Fahren.
Telefonieren.
Entscheiden.
Übernehmen.
Für eine Familie kann das sehr entlastend sein.
Da ist jemand, der sich kümmert.
Und trotzdem frage ich mich manchmal, was dabei mitgelernt wird –
und was vielleicht weniger Gelegenheit bekommt, sich zu entwickeln.
Selbst ins Handeln zu kommen ist etwas anderes,
als einen Menschen zu erleben, der viel handelt.
Vielleicht braucht es dafür auch die Erfahrung:
Da ist etwas, das ich möchte oder das getan werden muss.
Niemand nimmt es mir ab.
Ich muss überlegen.
Mich entscheiden.
Anfangen.
Vielleicht scheitern.
Noch einmal versuchen.
Und irgendwann merken:
Ich kann selbst etwas in Bewegung bringen.
Wenn jemand anderes sehr schnell übernimmt, muss das überhaupt nichts Schlechtes bedeuten.
Oft geschieht es aus Fürsorge, Verantwortungsgefühl oder schlicht deshalb, weil dieser Mensch Dinge gut und schnell erledigt.
Und natürlich wird aus einem Kind, dem viel abgenommen wurde, nicht automatisch ein Erwachsener, der schwer ins Handeln kommt.
Trotzdem kann die Frage interessant sein:
Wie viel Raum hatte ich eigentlich, selbst anzufangen?
Selbst zu entscheiden?
Selbst herauszufinden, wie ich vom Wollen ins Tun komme?
Später kann eine merkwürdige Situation entstehen.
Man weiß durchaus, was man möchte.
Man weiß vielleicht sogar, was einem guttäte.
Und trotzdem wartet man auf etwas.
Auf Motivation.
Auf den richtigen Moment.
Auf Druck.
Auf jemanden, der sagt:
„Jetzt mach.“
Oder man versucht, diesen Impuls selbst herzustellen:
„Ich müsste mich endlich aufraffen.“
Als müsste die Bewegung erst irgendwoher kommen.
Vielleicht ist deshalb nicht nur die Frage interessant, ob wir etwas wollen.
Sondern auch:
Was geschieht zwischen „Das ist mir wichtig“ und „Jetzt tue ich etwas“?
Wo wird aus einem Wunsch eine Entscheidung?
Und wo wird aus einer Entscheidung eine Handlung?
Es reicht nicht immer, zu wissen, was gut wäre.
Es reicht auch nicht immer, etwas wirklich zu wollen.
Irgendwann braucht es einen Schritt, den niemand anderes für mich tun kann.
Vielleicht beginnt eigenes Handeln genau dort:
nicht bei dem Gefühl, alles im Griff zu haben.
Sondern bei der Erfahrung:
Ich kann selbst anfangen.