Die Spur im Gras
von Markus Bodenmüller
Es war einmal ein Mann, der glaubte, sich verirrt zu haben.
Er ging durch ein hohes, stilles Gras, das ihm bis an die Schultern reichte.
Es gab keinen Weg, keine Richtung, nur Weite.
Er dachte: Wenn ich doch nur wüsste, wohin ich soll.
Und so suchte er nach Zeichen, nach Worten, nach einem Pfad, der schon fest stand.
Doch das Gras blieb stumm.
Und er blieb unsicher.
Er setzte einen Fuß nach vorne, nur aus Müdigkeit, nicht aus Mut,
und das Gras legte sich kurz unter seiner Sohle.
Dann noch einen Schritt.
Wieder legte es sich.
Nach einer Weile blickte er zurück — und sah eine Spur.
Nicht tief, nicht deutlich, nur leicht, wie Erinnerung.
Sie war nicht vor ihm gewesen.
Sie entstand, weil er ging.
Da verstand er etwas, ohne darüber nachzudenken:
Die Spur folgt dem Schritt, nicht der Schritt der Spur.
So ging er weiter, ohne Eile.
Nicht, weil er nun das Ziel kannte,
sondern weil ihm genügte zu wissen,
dass der Weg entsteht,
wo er wahrhaftig aufsetzt.