Wenn die Hand hört

von Markus Bodenmüller


Es gibt Momente, in denen wir die Hand ausstrecken,
nicht um etwas zu greifen,
sondern weil etwas in uns sagt:
„Bleib hier.“

Nicht lauter,
nicht stärker,
nur gegenwärtig.

Ich habe lange geglaubt, Hände müssten etwas tun.
Energie senden, Spannungen lösen, Wärme geben, heilen.
Doch je weiter ich ging, desto stiller wurde das Ganze.
Und irgendwann merkte ich:

Die Hand heilt nicht.
Sie hört.

Die Mitte der Hand – dieser kleine, weiche Raum –
ist kein Werkzeug.
Sie ist ein Ohr.
Ein Lauschen ohne Klang.

Wenn ich atme,
fängt dieser Punkt manchmal an zu fließen.
Nicht weil ich etwas schicke,
sondern weil ich aufhöre, etwas zu wollen.
Der Atem berührt die Hand von innen.
Die Hand antwortet von außen.
Beides trifft sich irgendwo zwischen Haut und Herz.

Manchmal pulsiert es.
Manchmal wird es warm.
Manchmal ist da gar nichts,
außer einer ganz feinen, schlichten Anwesenheit.

Und genau diese Anwesenheit
ist der Anfang von allem, was wir oft „Heilung“ nennen.

Nicht das Tun.
Nicht der Wille.
Nicht das Senden.
Nur ein Raum,
in dem nichts gedrängt wird.

Vielleicht ist das die eigentliche Kunst:
Berühren, ohne einzugreifen.
Dasein, ohne zu reparieren.
Lauschen, ohne etwas zu erwarten.

Und vielleicht brauchen wir genau das
– im Kontakt mit Menschen,
mit Tieren,
mit uns selbst.

Dass wir manchmal einfach nur eine Hand haben,
die sagt:

„Ich bin hier.
Mehr muss nicht passieren.“

Nach oben scrollen