Der Gast, der nichts mitbrachte
von Markus Bodenmüller
Es war einmal ein Haus,
in dem man nur dann hereingebeten wurde,
wenn man etwas bei sich trug.
Manche brachten Geschichten.
Manche kluge Gedanken.
Manche ein Lächeln, das keine Fragen stellte.
Der Hausherr nickte dann freundlich
und rückte einen Stuhl näher an den Tisch.
Eines Abends jedoch stand jemand vor der Tür,
der hatte nichts dabei.
Keine Erklärung.
Kein Geschenk.
Nicht einmal eine Entschuldigung.
Er stand einfach da.
Der Hausherr wartete.
Der Gast auch.
Schließlich fragte der Hausherr:
„Was hast du mir gebracht?“
Der Gast antwortete:
„Mich.“
Es wurde still im Haus.
Eine lange, ungewohnte Stille.
Dann seufzte der Hausherr,
als hätte er etwas wiedergefunden,
das er lange verlegt hatte.
Er öffnete die Tür ganz.
Und zum ersten Mal setzte sich jemand
nicht an den Tisch,
sondern ans Fenster –
und blieb.
Wenn du hier aufhörst, reicht es.
Wenn du weiter ausprobieren möchtest,
kannst du das auch tun.