Das gefrorene Gesicht
von Markus Bodenmüller
Es gibt Menschen,
die haben ein sehr gutes Gesicht.
Es weiß,
wann es weich sein muss
und wann freundlich.
Es weiß,
wie viel Lächeln angemessen ist
und wo man die Augen kurz senkt.
Wenn jemand den Raum betritt,
ist das Gesicht schon da.
Bereit.
Doch manchmal,
wenn niemand hinsieht –
in Fensterscheiben,
in dunklen Bildschirmen,
in den Sekunden vor dem Umdrehen –
liegt etwas anderes darin.
Kein Zorn.
Keine Traurigkeit.
Etwas Glattes.
Als hätte das Gesicht kurz vergessen,
für wen es gemacht war.
Es ist nicht böse.
Es ist nicht hart.
Es ist nur stillgestellt.
Und vielleicht war genau das
lange Zeit nötig.
Wenn du hier aufhörst, reicht es.
Wenn du weiter ausprobieren möchtest,
kannst du das auch tun.