Mini-Übung

Das Gesicht, wenn niemand zusieht

Nimm dir einen Moment,
in dem du nichts darstellen musst.

Kein Spiegel.
Kein inneres Korrigieren.

Spüre zuerst den Atem.
Nicht tief.
Nicht verändert.
Nur da.

Dann lenke die Aufmerksamkeit ins Gesicht.
Nicht als Bild –
sondern als Fläche.

Stirn.
Augen.
Kiefer.
Mundwinkel.

Frage nicht:
Wie sehe ich aus?

Sondern:
Wo halte ich?

Vielleicht bemerkst du Spannung.
Vielleicht gar nichts.
Beides ist in Ordnung.

Wenn du magst,
lass den Atem einmal bis in die Wangen kommen.
Nicht sichtbar.
Nur innerlich.

Und dann lass das Gesicht
für zwei oder drei Atemzüge
ungeformt sein.

Kein Lächeln.
Kein Ernst.
Kein Ausdruck.

Nur Gewebe.
Nur Präsenz.

Am Ende nimm wahr:
Fühlt sich das Gesicht
etwas bewohnter an –
oder einfach nur ruhiger?

Beides genügt.

Manche Gesichter sind nicht kalt.
Sie haben nur sehr lange
für jemanden gehalten.

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