Die Frau mit den offenen Fenstern

von Markus Bodenmüller


Eine Frau liebte Texte über Freiheit.
Sie las sie morgens, wenn das Haus noch still war.
Sie nickte oft.
Manchmal lächelte sie sogar.

„Das stimmt“, sagte sie dann.
„Genau so ist es.“

Die Fenster ihres Hauses standen offen.
Die Gardinen bewegten sich leicht.
Doch die Möbel blieben, wo sie immer gewesen waren.

Wenn jemand einen Stuhl verrückte, zuckte sie zusammen.
„Man weiß doch nie“, sagte sie.
„Nachher fehlt er.“

Sie liebte das Wort Weite,
solange sie die Wände berühren konnte.

Die Frau verstand viel.
Sie konnte erklären, warum Loslassen wichtig ist.
Sie konnte die richtigen Sätze zitieren.

Aber wenn der Boden knarrte,
wenn sich etwas real verschob,
griff sie instinktiv nach dem Alten.

Nicht aus Bosheit.
Aus Halt.

Und so lebte sie in einem Haus mit offenen Fenstern
und unverrückten Dingen.

Der Wind durfte herein.
Aber er durfte nichts berühren.


Wenn du hier aufhörst, reicht es.

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